Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen

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Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen

 

Frau Simon hat eine Eventagentur. Kürzlich hat sie für ein größeres Unternehmen eine Veranstaltung konzipiert. Von der Bewirtung bis zur Beleuchtung. Sie hat ihr Konzept vorgestellt und den Auftrag nicht bekommen. Das Unternehmen hat die Veranstaltung letztlich selbst organisiert – mit den Ideen von Frau Simon.
In Leipzig haben sich drei Menschen zusammengetan und stellen aus Müll Designergegenstände her – in Handarbeit. Nach betriebswirtschaftlichen Kriterien ist das unternehmerischer Selbstmord. Aber es funktioniert. Sie verkaufen ihre Objekte für viel Geld – auch international.
„Was bin ich nun?“, mit dieser Frage musste sich eine junge Medienwissenschaftlerin auseinandersetzen: Sie hat Filmfestivals geleitet, für Veranstaltungsreihen und Filmabende thematische Programme zusammengestellt, für Magazine und Zeitungen Filmkritiken geschrieben sowie Gesprächsrunden mit Filmemachern moderiert. Sie ist eine Kreativarbeiterin im besten Sinn: In der Künstlersozialkasse wird sie trotzdem nicht versichert.
Das ist nur eine kleine Auswahl an Geschichten, die man im Zusammenhang mit in der Kultur- und Kreativwirtschaft Beschäftigten hört. 
Kultur- und Kreativwirtschaft, das sind heute Arbeitsplatzpotentiale….
Kultur- und Kreativwirtschaft ist kein neues Phänomen. Wir müssen nur an die Leipziger Buchwirtschaft oder an den Musikinstrumentenbau im Vogtland denken. Heute unterscheidet man elf Märkte der Kultur- und Kreativwirtschaft (siehe Kasten). Warum ist das ein Thema für die sächsische SPD? Dafür sprechen drei Gründe: 1. Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Wirtschaftsfaktor: 2006 wurde in Sachsen ein Umsatz von über 3 Milliarden Euro erwirtschaftet. 2. Tradierte Wirtschaftszweige sind heute auf die Arbeitskraft der Kreativen angewiesen. Ein wichtiger Nebeneffekt: Eine Stadt, in der eine große Anzahl von Kreativen ihre Heimat findet, zieht auch andere Wirtschaftszweige an – Imagefaktor nennt man das. Und 3. Die Kultur- und Kreativwirtschaft erzielt mittlerweile hohe Beschäftigungseffekte. Im Jahr 2006 waren in Sachsen über 80.000 Menschen in diesem Bereich tätig. Zu finden sind diese Zahlen in dem ersten und bislang einzigen sächsischen Kulturwirtschaftsbericht 2008 – der übrigens in der Verantwortung der damaligen Staatsminister Thomas Jurk und Eva-Maria Stange zustande kam. Seit dem ist im Freistaat seitens der Staatsregierung nichts mehr passiert. Die spezifischen Bedürfnisse und Probleme der Branche werden von der Landesregierung schlicht ignoriert.
…aber auch faire Arbeit? 
In den Gesprächen, die ich in letzter Zeit mit Künstlern und Kreativen geführt habe, wurde immer wieder deutlich, dass sich die Arbeitsrealität der Kultur- und Kreativschaffenden stark von unserer traditionellen Vorstellung von Arbeit unterscheidet. Es gibt keine Unternehmen mit tausend Beschäftigten, sondern tausend Unternehmen mit einem Beschäftigten. Allenfalls im Softwarebereich in Leipzig und Dresden sind noch größere Unternehmen zu finden. Auf dem Markt tummeln sich Professionelle genauso wie Autodidakten. Teilweise wird hier ein ruinöser Wettbewerb betrieben. Es gibt kaum Honorarrichtlinien, Tarife oder Vergleichbares. Kreativarbeit zu wird allzu oft zu Dumping-Preisen eingekauft. Auch von der öffentlichen Hand! Die Arbeitsbiografie der Kreativen wird bestimmt durch einen häufigen Wechsel zwischen Selbstständigkeit und Anstellung, unterbrochen durch Phasen der Erwerbslosigkeit. 
Für uns als sächsische SPD ist klar: Freies kreatives Arbeiten und soziale Sicherheit dürfen keine Gegensätze sein. Wir fragen danach, was getan werden muss, damit Schauspieler, Verlagsunternehmen, Journalisten, Werbeagenturen, bildende Künstler, Musiker, Softwareunternehmen, Architekten, Internetagenturen, Schriftsteller und Designer in Sachsen von ihrer Arbeit leben können. 
Kulturpolitik 
und WirTschaftspolitik sind zwei Seiten einer Medaille
Es gibt kaum einen Künstler, der seinen Lebensunterhalt ausschließlich am Markt verdient: Ein Schriftsteller arbeitet am Vormittag an einem Werbetext für eine Broschüre der IHK. 
Am Abend liest er in der Städtischen Bibliothek aus seinem neuen Buch vor. Diese Lesereihe wird aus der Kulturförderung finanziert. Dieses Beispiel zeigt, dass eine starke Kulturpolitik und Kulturförderung der eigentliche Nährboden für Kultur- und Kreativwirtschaft sind. 
Kulturförderung muss aber heute auch die Arbeitsleistung berücksichtigen. Das ist ein neuer kulturpolitischer Ansatz. 
Im Bereich der Wirtschaftspolitik fehlt es in Sachsen an passgenauen Fördermodellen. 
Die Produkte der Kultur- und Kreativwirtschaft sind Ideen oder außergewöhnliche Umsetzungsweisen. Man nennt das „immaterielle Güter“. Unsere traditionelle Wirtschaftsförderung kennt diese Form von Innovation nicht. 
Um am Markt zu bestehen, muss Kreativität und eine gute Idee mit unternehmerischer Kompetenz zusammenkommen. Es reicht nicht, sich als Kreativschaffender zu „fühlen“. Man muss sich auch die Fragen stellen: Bin ich als „Unternehmer“ geeignet? Wie komme ich an Unternehmen, die meine Idee in ein Produkt umsetzen können? Es ist eine politische Aufgabe, hier Unterstützung anzubieten, z.B. über Förderung von Netzwerken oder die Begleitung bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells. 

 

 

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