Die alten Werte neu zum Klingen bringen

„Es lohnt sich, der Bedeutung, aber vor allem den Gedanken der protestantischen Reformation heute vor über 500 Jahren nachzugehen, gerade um sie für unsere eigene Politik heute fruchtbar zu machen. Es lohnt sich insbesondere für die SPD, weil sie sich von jeher bemühte, eine Gesellschaft lebenswerter zu machen, weil sie schon immer Menschenwürde und Gleichberechtigung in ihren Mittelpunkt gestellt hat.“ Diese Worte stellte Stephan Hilsberg, Gründungsmitglied und erster Sprecher der SDP an den Anfang seiner Rede zum diesjährigen Politischen Reformationstag der sächsischen SPD in Leipzig. Mit Rekurs zu Luther und zur Reformation ging Hilsberg der Frage nach, wie die Sozialdemokratie wieder zu neuer Stärke finden kann. „Was wir brauchen ist Mut zur Veränderung und Vertrauen in die eigene Kraft“, so die Feststellung Hilsbergs. Die SPD müsse sich auf ihre „alten“ Werte Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit besinnen und diese Werte wieder „neu zum Klingen bringen“. Die SPD müsse sich dabei auf sich konzentrieren und sich zum Anwalt jener machen, die etwas Neues wagen. „Deshalb muss sozialdemokratische Politik den Menschen geben, was ihnen sowieso gehört, die Initiative etwas aufzubauen, zu handeln, etwas aus sich, aus ihren Familien, ihren Orten, ihrem Wirkungsradius etwas zu machen.“

Bereits zum 12. Mal hat die SPD am Vormittag des Reformationstages am vergangenen Samstag zur Diskussion gesellschaftspolitischer Themen und zum geselligen Zusammensein geladen. Aus Anlass des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution und der Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) stand die Veranstaltung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig diesmal unter dem Thema „20 Jahre SPD in Ostdeutschland. Wie findet das Kind der Friedlichen Revolution zu neuer Stärke als moderne Volkspartei?“.

Rund 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten im Anschluss an die Rede von Stephan Hilsberg zum Teil kontrovers mit den Podiumsgästen Martin Dulig, Stephan Hilsberg und Hinrich Lehmann-Grube. Besonders heftig diskutiert wurde über eine Öffnung der SPD gegenüber der Linkspartei. „Die SPD ist nicht gut beraten sich von ihr in Form einer roten-roten Koalition, gar vielleicht mal Fusion abhängig zu machen. Je mehr sie sich mit ihr einlässt, desto mehr entfernt sie sich von den Veränderungen 89/90 und desto schwerer wird ihre eigene Erneuerung“, so die Haltung von Stephan Hilsberg dazu. Der neue SPD-Landesvorsitzende Martin Dulig stimmte Hilsberg in Teilen zu: „Die Frage nach einer Koalition mit der Linkspartei in Sachsen darf nicht die Profildebatte der SPD bestimmen.“ Die SPD könne sich in ihrem Programm nicht daran messen, was andere der Partei vorgäben. Für Martin Dulig ist eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei rein pragmatisch gesehen eine Machtoption, die sich aber erst stelle, wenn die SPD sich aus eigener Kraft die Machtposition dazu erarbeitet habe. Zum Schluss betonte Martin Dulig, dass der Mut, den die Gründer und Mitglieder der SDP 1989 aufbrachten, heute die gesamte Partei anstecken müsse.

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