Stange: Aus lockeren Angeboten endlich pädagogisch sinnvolle Ganztagsschulen machen

Dr. Eva-Maria Stange, stellvertretende Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt zur Situation der Ganztagsangebote im Freistaat:

„Die Mitteilung des Kultusministers, dass in dreiviertel der Schulen Ganztagsangebote etabliert sind, ist kein Grund für Freudensprünge. Die Voraussetzung in Sachsen waren zu Beginn des Ganztagsschulprogramms, das von Bundesbildungsministerin Bulmahn (SPD) 2004 gegen den Widerstand der CDU auf den Weg gebracht wurde, besser als in vielen anderen Ländern. Und es war seinerzeit die sächsische SPD, die das Landesprogramm zur Förderung der Ganztagsangebote auf den Weg gebracht hat. Längst hätte also die Chance genutzt werden können, aus den freiwilligen Angeboten ein pädagogisch sinnvolles verbindliches Ganztagsschulkonzept zu machen. Doch die Chance hat Wöller vertan: So bleibt es Stückwerk, denn der Vormittagsstress für Schüler und Lehrer wird nur ergänzt durch unverbindliche und oft auch unterfinanzierte freiwillige Angebote am Nachmittag.

Ein Schulalltag, der vernünftig zwischen Lernen und längeren Phasen der Erholung oder musischer, sportlicher oder spielerischer Betätigung wechselt, würde den Lernprozess für alle Kinder befördern. Vollkommen ungeklärt ist nach wie vor das Zusammenwirken zwischen Schule, Hort und den Ganztagsangeboten. Vielfach werden die Horte nur noch zu Betreuungseinrichtungen degradiert. Hausaufgabenhilfen oder künstlerische Angebote, die wegen viel zu geringer finanzieller Bezahlung wenig professionell ausgeführt werden, richten oft mehr Schaden an, als dass sie die Bildung der Kinder befördern.

Zudem ist es längst an der Zeit, die Mittel aufzustocken, damit alle Schulen, die dies wollen, zu einer richtigen Ganztagsschule werden können. Überfällig ist außerdem der Abbau von Bürokratie: Die Ausreichung der Mittel über die aktuelle Förderrichtlinie ist unverantwortlich ineffizient und überfordert Schulfördervereine und diejenigen, die ihre Angebote einbringen wollen.“

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